Im weiten Sinne
Jede Form der beziehungsorientierten Hilfe, die die anthropologischen Annahmen der Logotherapie übernimmt, ist Logotherapie im weiten Sinne:
- ein nicht-reduktionistisches, mehrdimensionales Menschenbild,
- die Betonung der Subjektivität, der Entscheidungsfähigkeit und der Selbsttranszendenz,
- die Akzentuierung von Freiheit und Verantwortung,
- die Überzeugung von der objektiven Existenz von Werten - das Gute existiert unabhängig davon, worauf sich die Menschen einigen.
In diesem Sinne kann auch ein Berater, Mentor, Coach, Pädagoge oder Seelsorger logotherapeutisch arbeiten. Frankl selbst warnte vor einer „Guru-fizierung“ der Logotherapie: Auf ihren Wurzeln lässt sich weiter aufbauen.
Im engeren Sinne
Als Psychotherapie verfügt die Logotherapie über:
- eigene Techniken (Sokratisches Gespräch, paradoxe Intention, Dereflexion, Einstellungsmodulation, Logodrama),
- einen charakteristischen Problembereich (unvermeidbares Leid, existenzielles Vakuum, Verdrängung der geistigen Sphäre),
- eine eigene Konzeptualisierung von Störungen (Pathoplastik, Wechseldiagnose),
- Therapieziele und Anforderungen an den Therapeuten.
Beratung
Logotherapie kann auch eine professionelle Methode der Beratung sein - dort, wo jemand nicht kommt, um geheilt zu werden, sondern um ein Lebensproblem zu lösen.
Frankls Praxis
In Frankls Wiener Praxis steht eine Liege - er begann seine Arbeit wie ein klassischer Psychoanalytiker. Aus diesem Ausgangspunkt entwickelten sich seine eigenen Methoden.
Quellen
V. E. Frankl, Wola sensu (Wille zum Sinn); Homo patiens; Viktor Frankl Institut Wien.